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CPV-Codes für IT-Dienstleistungen erklärt

Von Bruno Polster · 23. Februar 2026 · 11 Min. Lesezeit

Letzte Aktualisierung: März 2026 | Lesezeit: ca. 12 Min.

Warum das europäische Klassifikationssystem für das öffentliche Beschaffungswesen der Schlüssel zu relevanten Ausschreibungen ist -- und warum es allein nicht reicht


Stellen Sie sich vor, Sie suchen nach Ausschreibungen für Java-Entwicklung in der öffentlichen Verwaltung. Sie öffnen TED, das Supplement zum Amtsblatt der Europäischen Union, und stehen vor Hunderttausenden aktiven Bekanntmachungen. Irgendwo in dieser Masse stecken die Aufträge, die perfekt zu Ihrem Unternehmen passen. Aber wie finden Sie sie?

Die Antwort lautet -- zumindest teilweise -- CPV-Codes. Das Common Procurement Vocabulary ist das standardisierte Klassifikationssystem der EU für öffentliche Aufträge. Jeder Auftraggeber muss seine Ausschreibung mit mindestens einem CPV-Code versehen. Wenn Sie die richtigen Codes kennen, können Sie gezielt nach relevanten Ausschreibungen filtern.

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen alle IT-relevanten CPV-Codes, erklären ihre Struktur, geben praktische Tipps für die Suche -- und erklären auch, warum CPV-Codes alleine Sie nicht ans Ziel bringen.

Auf einen Blick

  • 72000000 -- der Haupt-CPV-Code für IT-Dienstleistungen (Beratung, Software, Internet)
  • 8 Ziffern + Prüfziffer -- die Struktur jedes CPV-Codes, von allgemein zu spezifisch
  • Bis zu 30% der IT-Ausschreibungen sind mit suboptimalen CPV-Codes versehen
  • Letzte Überarbeitung 2008 -- für Cloud, KI und DevOps gibt es keine spezifischen Codes
  • 20+ Vergabeplattformen in Deutschland -- CPV-Codes allein reichen nicht für eine vollständige Suche

Was CPV-Codes sind und wie sie funktionieren

CPV steht für Common Procurement Vocabulary, auf Deutsch: Gemeinsames Vokabular für öffentliche Aufträge. Es wurde durch die Verordnung (EG) Nr. 2195/2002 eingeführt und 2008 zuletzt grundlegend überarbeitet. Jeder öffentliche Auftrag in der EU muss mit CPV-Codes klassifiziert werden.

Die Struktur eines CPV-Codes

Ein CPV-Code besteht aus acht Ziffern plus einer Prüfziffer:

72000000-5
│││││││  │
│││││││  └─ Prüfziffer
│├┤├┤├┤
│ │ │ └──── Ebene 5 (spezifischste Ebene)
│ │ └────── Ebene 4
│ └──────── Ebene 3
└────────── Ebene 1-2 (Division)

Die ersten zwei Ziffern bezeichnen die Division (den groben Bereich), die weiteren Ziffern verfeinern die Klassifikation. Nullen am Ende bedeuten, dass die Klassifikation auf einer übergeordneten Ebene bleibt.

Beispiel:
- 72000000 = IT-Dienstleistungen (Division, sehr allgemein)
- 72200000 = Softwareprogrammierung und -beratung (Gruppe)
- 72210000 = Programmierung von Softwarepaketen (Klasse)
- 72212000 = Programmierung von Anwendungssoftware (Kategorie)
- 72212100 = Entwicklung von branchenspezifischer Software (Unterkategorie)

Je mehr Nullen am Ende, desto allgemeiner die Klassifikation. Je spezifischer der Code, desto genauer die Ergebnisse -- aber desto höher auch das Risiko, relevante Ausschreibungen zu verpassen.

Die wichtigsten CPV-Codes für IT-Dienstleistungen

Hier ist Ihr Referenzverzeichnis. Wir haben alle Codes zusammengestellt, die für IT-Dienstleistungsunternehmen relevant sind, gegliedert nach Hauptgruppen.

72000000 -- IT-Dienstleistungen: Beratung, Software-Entwicklung, Internet und Hilfestellung

Dies ist die Hauptdivision für IT-Dienstleistungen. Unter ihr finden sich die meisten relevanten Ausschreibungen.

72100000 -- Hardware-Beratung
- 72110000: Hardware-Beratungsdienste
- 72120000: Beratung bei der Wiederherstellung nach einem Computerabsturz
- 72130000: Beratung bei der Planung von Computerstandorten
- 72140000: Beratung bei Computerabnahmeprüfungen
- 72150000: Beratung im Bereich Computerprüfung

Relevant für Unternehmen, die IT-Infrastrukturberatung anbieten, etwa bei der Planung neuer Rechenzentren oder der Migration bestehender Infrastruktur.

72200000 -- Softwareprogrammierung und -beratung
- 72210000: Programmierung von Softwarepaketen
- 72211000: Programmierung von System- und Anwendersoftware
- 72212000: Programmierung von Anwendungssoftware
- 72220000: Systemberatung und technische Beratung
- 72221000: Beratung im Bereich Unternehmensanalyse
- 72222000: Strategische Prüfung und Planung im Bereich Informationstechnologie
- 72222100: Strategische Prüfung von Informationssystemen oder -technologie
- 72222200: Planung von Informationssystemen oder -technologie
- 72222300: IT-Dienste
- 72224000: Beratung im Bereich Projektleitung
- 72224100: Planung im Bereich Systemeinführung
- 72224200: Planung im Bereich Systemqualitätssicherung
- 72225000: Bewertung und Prüfung der Systemqualitätssicherung
- 72226000: Beratung bei Abnahmeprüfung von Systemsoftware
- 72227000: Beratung im Bereich Software-Integration
- 72228000: Beratung im Bereich Hardware-Integration
- 72230000: Entwicklung von kundenspezifischer Software
- 72232000: Entwicklung von Transaktionsverarbeitungssoftware
- 72240000: Systemanalyse und Programmierung
- 72250000: Systemdienstleistungen und Unterstützungsdienste
- 72253000: Help-Desk und Unterstützungsdienste
- 72253100: Help-Desk
- 72253200: Systemunterstützung
- 72260000: Dienstleistungen in Verbindung mit Software
- 72261000: Software-Unterstützung
- 72262000: Software-Entwicklung
- 72263000: Software-Implementierung
- 72265000: Software-Konfiguration
- 72266000: Software-Beratung
- 72267000: Software-Wartung und -Reparatur
- 72267100: Wartung von IT-Software
- 72268000: Bereitstellung von Software

Dies ist die mit Abstand wichtigste Gruppe für die meisten IT-Beratungsunternehmen. Die Codes 72220000 bis 72230000 decken den klassischen Beratungs- und Entwicklungsbereich ab.

72300000 -- Datendienste
- 72310000: Datenverarbeitung
- 72312000: Dateneingabe
- 72313000: Datenerfassung
- 72314000: Datensammlung und -steuerung
- 72315000: Datennetzverwaltung und -unterstützung
- 72316000: Datenanalyse
- 72317000: Datenspeicherung
- 72318000: Datenübertragung
- 72319000: Datenbereitstellung
- 72320000: Datenbankdienste
- 72322000: Datenverwaltung
- 72330000: Standardisierung und Klassifizierung von Inhalten oder Daten

Relevant für Unternehmen, die sich auf Datenmanagement, Business Intelligence oder Datenmigrationen spezialisiert haben.

72400000 -- Internetdienste
- 72410000: Anbieter (Provider)-Dienste
- 72411000: Internet-Provider (ISP)
- 72412000: E-Mail-Provider
- 72413000: Website-Gestaltung
- 72415000: Hosting-Dienste von Websites
- 72416000: Anbieter von Anwendungsdiensten (ASP)
- 72417000: Internet-Domainnamen
- 72420000: Internet-Entwicklungsdienste
- 72421000: Internet- oder Intranet-Client-Anwendungsentwicklung
- 72422000: Internet- oder Intranet-Server-Anwendungsentwicklung

Zunehmend relevant, da immer mehr öffentliche Dienste online angeboten werden -- Stichwort OZG und Digitalisierung der Verwaltung.

72500000 -- Datenverarbeitung (Computer)
- 72510000: Informatik-Dienstleistungen
- 72511000: Netzwerksoftware
- 72512000: Dokumentenverwaltung
- 72514000: Einrichtungen zur Datenverarbeitung
- 72514100: Einrichtungenverwaltung im Zusammenhang mit dem Betrieb von Computern
- 72514200: Einrichtungenverwaltung im Zusammenhang mit dem Ausbau von Computersystemen
- 72514300: Einrichtungenverwaltung im Zusammenhang mit der Instandhaltung von Computersystemen
- 72540000: Computer-Aufrüstung
- 72541000: Computer-Erweiterung
- 72590000: Professionelle Computerdienstleistungen

72600000 -- Computerunterstützung und -beratung
- 72610000: Computerunterstützung
- 72611000: Technische Computerunterstützung

Relevant für Unternehmen, die IT-Support und Managed Services anbieten.

72700000 -- Computernetzwerke
- 72710000: LAN-Dienste
- 72720000: WAN-Dienste

72800000 -- Computerrevision und -prüfung
- 72810000: Computerrevision
- 72820000: Computerprüfung

Besonders relevant für IT-Sicherheitsunternehmen, die Audits und Penetrationstests durchführen.

72900000 -- Computer-Backup und Katalogkonvertierung
- 72910000: Computer-Backup
- 72920000: Computerkonvertierung von Katalogen

Weitere relevante CPV-Divisionen

Neben der 72er-Division gibt es weitere Codes, die für IT-Unternehmen relevant sein können:

48000000 -- Softwarepaket und Informationssysteme
- 48100000: Branchenspezifisches Softwarepaket
- 48200000: Softwarepaket für Vernetzung, Internet und Intranet
- 48300000: Softwarepaket für Dokumentenerstellung, Zeichnen, Bildverarbeitung, Terminplanung und Produktivität
- 48400000: Softwarepaket für Geschäftstransaktionen und persönliche Arbeitsabläufe
- 48500000: Kommunikations- und Multimedia-Softwarepaket
- 48600000: Datenbank- und -Betriebssoftwarepaket
- 48700000: Softwarepaket-Dienstprogramme
- 48800000: Informationssysteme und Server
- 48900000: Verschiedene Softwarepakete und Computersysteme

Dieser Bereich wird verwendet, wenn Software beschafft wird, oft in Kombination mit Implementierungsdienstleistungen. Besonders bei SAP-Ausschreibungen im öffentlichen Sektor ist die korrekte Zuordnung zu CPV-Codes oft eine Herausforderung.

50300000 -- Reparatur, Wartung und zugehörige Dienste in Verbindung mit Personalcomputern, Büromaschinen, Fernmeldeanlagen und audiovisuellen Anlagen
- 50310000: Wartung und Reparatur von Büromaschinen
- 50312000: Wartung und Reparatur von Computeranlagen
- 50312100: Wartung und Reparatur von Großrechnern
- 50312110: Wartung von Großrechnern
- 50312200: Wartung und Reparatur von Minicomputern
- 50312300: Wartung und Reparatur von Datennetzeinrichtungen
- 50312600: Wartung und Reparatur von IT-Einrichtungen
- 50312610: Wartung von IT-Einrichtungen

64200000 -- Fernmeldedienste (Telekommunikation)
- 64210000: Fernsprech- und Datenübertragungsdienste
- 64212000: Mobilfunkdienste
- 64214000: Feste Geschäftsnetzwerkdienste
- 64216000: Elektronische Nachrichten- und Informationsdienste

Relevant, wenn Ihre IT-Dienstleistungen Telekommunikationskomponenten umfassen.

So setzen Sie CPV-Codes effektiv ein

Jetzt kennen Sie die Codes -- aber wie nutzen Sie sie in der Praxis? Hier sind unsere Empfehlungen:

Praxis-Tipp: Erstellen Sie eine individuelle CPV-Code-Liste mit 10-20 Codes, die Ihr Leistungsportfolio abdecken. Ergänzen Sie diese mit 20-30 Schlüsselbegriffen für die Volltextsuche. Prüfen Sie monatlich, ob Ihre Auswahl noch die richtigen Ergebnisse liefert.

Strategie 1: Breit anfangen, dann verfeinern

Beginnen Sie mit den übergeordneten Codes Ihrer Kernkompetenzen. Wenn Sie Softwareentwicklung anbieten, starten Sie mit 72200000 und 72260000. Prüfen Sie die Ergebnisse und verfeinern Sie dann nach Bedarf.

Strategie 2: Mehrere Codes kombinieren

Die meisten Vergabeportale erlauben die Suche nach mehreren CPV-Codes gleichzeitig. Erstellen Sie sich eine Liste Ihrer relevanten Codes und nutzen Sie diese als Suchprofil. Ein typisches Profil für ein Java-Entwicklungsunternehmen könnte so aussehen:

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Strategie 3: Auch die 48er-Division prüfen

Viele Ausschreibungen, die Software-Implementierung betreffen, werden unter 48000000 (Softwarepaket und Informationssysteme) eingestellt, nicht unter 72000000. Wenn Sie nur die 72er-Codes beobachten, verpassen Sie diese Ausschreibungen.

Strategie 4: Regelmäßig die Ergebnisse prüfen

CPV-Codes sind statisch, aber die Art, wie Auftraggeber sie verwenden, ändert sich. Prüfen Sie regelmäßig, ob Ihre Code-Auswahl noch die richtigen Ergebnisse liefert. Passen Sie Ihre Liste an, wenn Sie feststellen, dass relevante Ausschreibungen unter anderen Codes erscheinen als erwartet.

Warum CPV-Codes allein nicht ausreichen

Infographic

Und jetzt kommen wir zum wichtigsten Punkt dieses Artikels: CPV-Codes sind ein nützliches Werkzeug, aber sie sind bei weitem nicht ausreichend, um alle relevanten Ausschreibungen zu finden. Hier sind die Gründe:

Problem 1: Falsch vergebene Codes

In der Praxis werden CPV-Codes oft falsch oder zu allgemein vergeben. Der Sachbearbeiter in der Vergabestelle, der die Bekanntmachung erstellt, ist häufig kein IT-Experte. Er wählt den Code, der ihm am passendsten erscheint -- und das ist nicht immer der richtige. Eine Ausschreibung für Cloud-Migration kann unter 72222000 (Strategische Prüfung und Planung), unter 72263000 (Software-Implementierung) oder sogar unter dem sehr allgemeinen 72000000 erscheinen.

Zahlen & Fakten: Bis zu 30 Prozent der IT-Ausschreibungen sind mit suboptimalen CPV-Codes versehen. Wer sich ausschließlich auf CPV-Codes verlässt, verpasst fast ein Drittel der relevanten Ausschreibungen.

Eine Studie des Bundesverbandes IT-Mittelstand zeigt, dass bis zu 30 Prozent der IT-Ausschreibungen mit suboptimalen CPV-Codes versehen sind. Das bedeutet: Wenn Sie sich ausschließlich auf CPV-Codes verlassen, verpassen Sie fast ein Drittel der relevanten Ausschreibungen.

Problem 2: Neue Technologien, alte Codes

Häufiger Fehler: Sich auf CPV-Codes für moderne Technologien verlassen. Die Nomenklatur wurde zuletzt 2008 überarbeitet -- für Cloud, KI, DevOps und Blockchain gibt es schlicht keine passenden Codes.

Die CPV-Nomenklatur wurde zuletzt 2008 grundlegend überarbeitet. Cloud Computing, DevOps, KI, Machine Learning, Blockchain -- für all diese Themen gibt es keine spezifischen CPV-Codes. Eine Ausschreibung für eine KI-basierte Datenanalyse landet vielleicht unter 72316000 (Datenanalyse), vielleicht unter 72212000 (Programmierung von Anwendungssoftware), vielleicht unter dem allgemeinen 72222300 (IT-Dienste). Es gibt schlicht keinen Code für "Künstliche Intelligenz".

Problem 3: Ausschreibungen ohne IT-Fokus

Manche der interessantesten IT-Aufträge verstecken sich in Ausschreibungen, die gar keinen IT-CPV-Code tragen. Eine Behörde schreibt ein "Fachverfahren für das Ausländerwesen" aus und vergibt den CPV-Code 75000000 (Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung). Der IT-Anteil macht 80 Prozent des Auftrags aus, aber die Ausschreibung erscheint in keiner IT-spezifischen CPV-Suche.

Problem 4: Nationale Vergabeplattformen

Nicht alle Ausschreibungen erscheinen auf TED. Aufträge unterhalb der EU-Schwellenwerte (derzeit 143.000 Euro für zentrale Regierungsbehörden bzw. 221.000 Euro für subzentrale Auftraggeber) werden nur auf nationalen oder regionalen Vergabeplattformen veröffentlicht. Und dort ist die CPV-Code-Pflege oft noch unzuverlässiger als auf EU-Ebene.

Key Takeaway: CPV-Codes sind ein unverzichtbares Grundwerkzeug, aber allein nicht ausreichend. Die Kombination mit Volltextsuche und KI-gestützter Analyse macht den Unterschied zwischen "manche Ausschreibungen finden" und "alle relevanten finden".

Die Lösung: Volltextsuche plus CPV-Codes

Die effektivste Strategie kombiniert CPV-Codes mit Volltextsuche. CPV-Codes liefern Ihnen eine solide Grundlage, die Volltextsuche fängt die Lücken auf.

So funktioniert die Kombination

CPV-Codes als Basis: Richten Sie Suchprofile mit Ihren relevanten CPV-Codes ein. Das gibt Ihnen eine zuverlässige Grundlage an Treffern.

Volltextsuche als Ergänzung: Suchen Sie zusätzlich nach Schlüsselbegriffen, die Ihre Dienstleistungen beschreiben. Für ein Java-Entwicklungsunternehmen wären das zum Beispiel:
- "Java", "Spring Boot", "Microservices"
- "Softwareentwicklung", "Anwendungsentwicklung"
- "agile Entwicklung", "DevOps"
- "IAM", "Identity Management"
- Und die entsprechenden Behörden oder Branchen, auf die Sie sich spezialisiert haben

Negative Keywords: Schließen Sie Begriffe aus, die zu irrelevanten Treffern führen. Wenn Sie keine Hardware-Beschaffung suchen, filtern Sie "Lieferauftrag" und "Hardwarebeschaffung" heraus.

Die Herausforderung: Zeitaufwand

Das Problem dieser Strategie ist offensichtlich: Sie ist zeitaufwändig. In Deutschland gibt es über 20 verschiedene Vergabeplattformen -- vom Bund (evergabe-online.de) über die Länder (wie die Vergabeplattform Bayern oder das Vergabemarktplatz NRW) bis zu kommunalen Plattformen. Jeden Tag alle Plattformen nach Ihren CPV-Codes und Suchbegriffen zu durchsuchen, kann leicht ein bis zwei Stunden dauern. In unserem Guide zum Finden öffentlicher IT-Ausschreibungen zeigen wir, welche Plattformen Sie dabei im Blick haben sollten.

Und selbst dann ist nicht garantiert, dass Sie alles finden. Denn die Suchfunktionen der verschiedenen Plattformen sind unterschiedlich leistungsfähig. Manche unterstützen keine Volltextsuche, andere keine Kombination von CPV-Codes mit Freitextsuche.

Automatisierung als Ausweg

Genau hier setzen automatisierte Lösungen an. Anstatt jeden Tag manuell 20 Plattformen zu durchsuchen, übernimmt eine Software diese Aufgabe. Sie durchsucht alle relevanten Quellen nach Ihren CPV-Codes und Suchbegriffen, filtert die Ergebnisse und präsentiert Ihnen nur die wirklich relevanten Ausschreibungen.

Wie KI-gestützte Automatisierung die Ausschreibungssuche verändert, erklären wir in einem eigenen Artikel. Der entscheidende Vorteil einer KI-gestützten Lösung gegenüber einer reinen Stichwortsuche: Sie kann auch Ausschreibungen erkennen, die keinen passenden CPV-Code tragen und nicht Ihre exakten Suchbegriffe enthalten, aber inhaltlich trotzdem relevant sind. Eine Ausschreibung, die von "Weiterentwicklung einer webbasierten Fachapplikation auf Basis von Jakarta EE" spricht, wird von einer reinen Stichwortsuche nach "Java" nicht gefunden -- von einer KI-Suche, die den Kontext versteht, schon.

Ihr CPV-Code-Aktionsplan

Zum Abschluss fassen wir die konkreten Schritte zusammen, die Sie jetzt unternehmen können:

  1. Erstellen Sie Ihre CPV-Code-Liste. Gehen Sie die oben aufgeführten Codes durch und markieren Sie alle, die zu Ihrem Leistungsportfolio passen. Seien Sie eher großzügig -- lieber ein paar irrelevante Treffer mehr als relevante Ausschreibungen verpasst.

  2. Ergänzen Sie Ihre Suchbegriffe. Erstellen Sie eine Liste von 20 bis 30 Schlüsselbegriffen, die Ihre Leistungen und Zielkunden beschreiben. Denken Sie dabei auch an Synonyme und verschiedene Schreibweisen.

  3. Richten Sie Suchprofile ein. Nutzen Sie die Möglichkeiten der Vergabeplattformen, Suchprofile zu speichern und Benachrichtigungen einzurichten.

  4. Überprüfen Sie regelmäßig. Prüfen Sie einmal im Monat, ob Ihre Code-Auswahl und Suchbegriffe noch die richtigen Ergebnisse liefern.

  5. Prüfen Sie Automatisierungsmöglichkeiten. Wenn der manuelle Aufwand zu groß wird -- und das wird er bei wachsendem Geschäft unweigerlich -- prüfen Sie, ob eine automatisierte Lösung Ihre Tendersuche effizienter machen kann.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Frage: Was sind CPV-Codes und wofür werden sie benötigt?

CPV-Codes (Common Procurement Vocabulary) sind das standardisierte Klassifikationssystem der EU für öffentliche Aufträge. Jeder öffentliche Auftraggeber muss seine Ausschreibung mit mindestens einem CPV-Code versehen. Für IT-Dienstleister ermöglichen sie eine gezielte Suche nach relevanten Ausschreibungen auf Vergabeplattformen wie TED.

Frage: Welche CPV-Codes sind für IT-Dienstleister am wichtigsten?

Der zentrale CPV-Code ist 72000000 (IT-Dienstleistungen), unter dem sich alle Unterkategorien befinden. Besonders relevant sind 72200000 (Softwareprogrammierung und -beratung), 72220000 (Systemberatung), 72230000 (Entwicklung kundenspezifischer Software) und 72800000 (Computerrevision und -prüfung für Penetrationstests). Zusätzlich sollten Sie die 48er-Division (Softwarepakete) beobachten.

Frage: Warum reichen CPV-Codes allein nicht aus, um alle relevanten IT-Ausschreibungen zu finden?

Bis zu 30 Prozent der IT-Ausschreibungen sind mit suboptimalen CPV-Codes versehen, da die Sachbearbeiter in Vergabestellen oft keine IT-Experten sind. Zudem wurde die CPV-Nomenklatur zuletzt 2008 überarbeitet -- für Cloud Computing, KI oder DevOps gibt es keine spezifischen Codes. Die Kombination mit Volltextsuche ist daher unverzichtbar.

Frage: Wie finde ich den richtigen CPV-Code für meine IT-Dienstleistung?

Beginnen Sie mit den übergeordneten Codes Ihrer Kernkompetenzen (z.B. 72200000 für Softwareentwicklung) und verfeinern Sie dann nach Bedarf. Erstellen Sie eine individuelle Liste mit 10 bis 20 Codes, die Ihr Leistungsportfolio abdecken. Prüfen Sie monatlich, ob Ihre Auswahl noch passende Ergebnisse liefert, da Auftraggeber die Codes unterschiedlich verwenden.

Frage: Gibt es CPV-Codes für Cloud-Dienste, KI oder Cybersecurity?

Für moderne Technologien wie Cloud Computing, Künstliche Intelligenz, DevOps oder Blockchain gibt es keine spezifischen CPV-Codes, da die Nomenklatur seit 2008 nicht grundlegend überarbeitet wurde. Solche Ausschreibungen werden unter allgemeineren Codes wie 72222300 (IT-Dienste), 72316000 (Datenanalyse) oder 72820000 (Computerprüfung) eingestellt. Eine Volltextsuche nach den konkreten Technologiebegriffen ist hier besonders wichtig.

Zusammenfassung

  • CPV-Codes kennen -- die 72er-Division ist das Herzstück für IT-Dienstleister, aber auch 48er-Codes (Software) beachten
  • Breit anfangen -- lieber ein paar irrelevante Treffer mehr als relevante Ausschreibungen verpasst
  • Volltextsuche ergänzen -- CPV-Codes allein verpassen bis zu 30% der relevanten Ausschreibungen
  • Regelmäßig prüfen -- monatlich die Code-Auswahl und Suchbegriffe auf Aktualität checken
  • Automatisierung nutzen -- bei 20+ Vergabeplattformen ist manuelle Suche kaum zu leisten

CPV-Codes sind ein unverzichtbares Werkzeug für jeden, der im öffentlichen Vergabewesen aktiv ist. Aber sie sind nur ein Baustein. Die Kombination mit Volltextsuche und idealerweise KI-gestützter Analyse macht den Unterschied zwischen "wir finden manche Ausschreibungen" und "wir finden alle relevanten Ausschreibungen".


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