Alle Artikel KI-Ausschreibungen im öffentlichen Sektor Marktüberblick

KI-Ausschreibungen im öffentlichen Sektor

Von Bruno Polster · 23. Februar 2026 · 11 Min. Lesezeit

Letzte Aktualisierung: März 2026 | Lesezeit: ca. 10 Min.

Künstliche Intelligenz ist in der deutschen Verwaltung angekommen — zumindest auf dem Papier. Die KI-Strategie der Bundesregierung, milliardenschwere Förderprogramme und der politische Druck zur Digitalisierung der Verwaltung sorgen dafür, dass immer mehr öffentliche Auftraggeber KI-Projekte ausschreiben. Chatbots für Bürgerservices, intelligente Dokumentenanalyse, Predictive Analytics für Fachverfahren, Automatisierung von Routineprozessen — die Anwendungsfelder sind vielfältig und wachsen rapide.

Für IT-Beratungsunternehmen im Mittelstand ist das eine strategische Chance. Denn anders als bei vielen anderen IT-Themen ist der Markt für KI-Dienstleistungen im öffentlichen Sektor noch jung. Die großen Systemhäuser dominieren hier nicht so stark wie in etablierten Bereichen wie SAP oder IT-Infrastruktur. Wer sich jetzt positioniert, kann von einem Wachstumsmarkt profitieren, der gerade erst Fahrt aufnimmt.

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, welche Arten von KI-Ausschreibungen im öffentlichen Sektor entstehen, wer die wichtigsten Auftraggeber sind, welche Anforderungen gestellt werden und wie Sie sich als mittelständischer IT-Dienstleister erfolgreich positionieren.

Auf einen Blick

  • 5+ Mrd. EUR hat die Bundesregierung für die KI-Strategie eingeplant
  • 6 Ausschreibungskategorien — von Chatbots über LLM-Integration bis KI-Strategieberatung
  • 200.000 bis 3 Mio. EUR typische Projektvolumina je nach Kategorie
  • EU AI Act seit 2024 schrittweise in Kraft — wird zunehmend in Ausschreibungen gefordert
  • Greenfield-Markt — mehr Projekte als kompetente Anbieter, wenig etablierter Wettbewerb

Der Markt: Warum KI-Ausschreibungen explodieren

Die Zahl der KI-bezogenen Ausschreibungen im öffentlichen Sektor hat sich in den letzten drei Jahren vervielfacht. Die Treiber sind klar:

Politischer Wille: Die Bundesregierung hat in ihrer KI-Strategie das Ziel formuliert, Deutschland zum führenden KI-Standort zu machen. Ein wesentlicher Hebel: der Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung. Damit soll die Verwaltung effizienter werden und gleichzeitig als Referenzkunde für deutsche KI-Unternehmen dienen.

Fördermittel: Bund und Länder stellen erhebliche Mittel für KI-Projekte bereit. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat allein für die KI-Strategie über fünf Milliarden Euro eingeplant. Bayern hat mit dem Hightech Agenda Bayern über zwei Milliarden Euro für KI und verwandte Technologien reserviert. Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und andere Bundesländer haben eigene KI-Programme aufgelegt. Diese Fördermittel fließen in konkrete Projekte — und konkrete Projekte werden ausgeschrieben.

Personalmangel als Beschleuniger: Der dramatische Fachkräftemangel in der öffentlichen Verwaltung — über 40.000 unbesetzte IT-Stellen — macht Automatisierung und KI-Unterstützung nicht zu einem Nice-to-have, sondern zu einer Notwendigkeit. Wenn eine Behörde nicht genug Personal hat, um Anträge zu bearbeiten, Dokumente zu prüfen oder Anfragen zu beantworten, wird KI-Unterstützung zur einzigen realistischen Option.

Erfolgsbeispiele aus anderen Ländern: Länder wie Estland, Dänemark und Singapur zeigen, wie KI in der Verwaltung funktionieren kann. Deutsche Behörden orientieren sich zunehmend an diesen Vorbildern und wollen aufholen.

ChatGPT-Effekt: Die öffentliche Aufmerksamkeit für generative KI seit Ende 2022 hat auch in der Verwaltung einen Bewusstseinsschub ausgelöst. Entscheidungsträger in Behörden fragen sich: Können wir das auch nutzen? Die Antwort ist ja — aber unter besonderen Bedingungen.

Zahlen & Fakten: Über 40.000 unbesetzte IT-Stellen in der Verwaltung machen KI-Automatisierung zur Notwendigkeit. Gleichzeitig hat Bayern allein über 2 Mrd. EUR für KI und verwandte Technologien reserviert. Der Markt wird sowohl durch Push (politischer Wille, Fördermittel) als auch Pull (Personalmangel) angetrieben.

Der EU AI Act: Der regulatorische Rahmen für KI-Beschaffung

Kein Artikel über KI im öffentlichen Sektor wäre vollständig ohne den EU AI Act — die weltweit erste umfassende KI-Regulierung, die seit 2024 schrittweise in Kraft tritt. Für IT-Dienstleister, die KI-Lösungen an den öffentlichen Sektor verkaufen, ist der AI Act keine abstrakte Regulierung, sondern ein konkreter Faktor in jeder Ausschreibung.

Risikoklassifizierung: Der AI Act teilt KI-Systeme in vier Risikoklassen ein: unannehmbares Risiko (verboten), hohes Risiko, begrenztes Risiko und minimales Risiko. Viele KI-Anwendungen im öffentlichen Sektor fallen in die Kategorie „hohes Risiko" — insbesondere wenn sie in Bereichen wie öffentliche Verwaltung, Strafverfolgung, Justiz, Migration oder Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen eingesetzt werden.

Anforderungen an Hochrisiko-KI: Systeme mit hohem Risiko müssen umfangreiche Anforderungen erfüllen: Risikomanagement-System, Datenqualitätsstandards, technische Dokumentation, Transparenz gegenüber Nutzern, menschliche Aufsicht, Genauigkeit und Robustheit. Diese Anforderungen fließen direkt in die Leistungsbeschreibungen öffentlicher Ausschreibungen ein.

Transparenzpflichten: Für KI-Systeme, die mit Menschen interagieren (z. B. Chatbots), gelten besondere Transparenzpflichten. Nutzer müssen darüber informiert werden, dass sie mit einem KI-System interagieren. Bei generativen KI-Systemen müssen erzeugte Inhalte als KI-generiert gekennzeichnet werden.

Was das für Sie bedeutet: Wenn Sie KI-Lösungen für den öffentlichen Sektor anbieten, müssen Sie den AI Act kennen und Ihre Lösungen entsprechend gestalten. Behörden werden in ihren Ausschreibungen zunehmend AI-Act-Konformität als Anforderung formulieren. IT-Dienstleister, die nachweisen können, dass sie den AI Act verstehen und umsetzen können, haben einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Häufiger Fehler: Den EU AI Act als „Zukunftsthema" abtun. Viele KI-Anwendungen im öffentlichen Sektor fallen in die Kategorie „hohes Risiko" (Verwaltung, Justiz, Migration). Wer die Risikoklassifizierung und Dokumentationspflichten nicht von Anfang an mitdenkt, liefert eine nicht-konforme Lösung.

Typen von KI-Ausschreibungen im öffentlichen Sektor

KI-Ausschreibungen im öffentlichen Sektor lassen sich in mehrere Kategorien einteilen. Jede Kategorie hat eigene Anforderungsprofile und Wettbewerbsstrukturen:

1. Chatbots und virtuelle Assistenten für Bürgerservices

Der vielleicht sichtbarste Anwendungsfall: KI-basierte Chatbots, die Bürgeranfragen beantworten, durch Verwaltungsprozesse leiten und einfache Anliegen automatisch bearbeiten. Seit dem Durchbruch großer Sprachmodelle hat dieses Segment eine völlig neue Dynamik bekommen.

Typische Ausschreibungen umfassen: Entwicklung und Integration von Chatbots auf Basis von LLMs, Anbindung an Fachverfahren und Wissensdatenbanken der Behörde, Training und Fine-Tuning auf verwaltungsspezifische Inhalte, Mehrsprachigkeit (insbesondere für Ausländerbehörden) und barrierefreie Gestaltung. Typische Volumina liegen zwischen 200.000 und 800.000 Euro.

2. Intelligente Dokumentenanalyse (IDP — Intelligent Document Processing)

Die Verwaltung ertrinkt in Dokumenten: Anträge, Bescheide, Gutachten, Verträge, Korrespondenz. KI-basierte Dokumentenanalyse kann diese Dokumente automatisch klassifizieren, relevante Informationen extrahieren und in Fachverfahren überführen.

Ausschreibungen umfassen: Automatische Dokumentenklassifizierung und -erkennung, Extraktion strukturierter Daten aus unstrukturierten Dokumenten, Integration in bestehende DMS- und ECM-Systeme, Handschrifterkennung für eingescannte Formulare und Qualitätssicherung und Fehlerbehandlung. Typische Volumina: 300.000 bis 1,5 Millionen Euro.

3. Predictive Analytics und datengetriebene Entscheidungsunterstützung

Behörden nutzen KI zunehmend für datenbasierte Prognosen und Entscheidungsunterstützung: Vorhersage von Steuereinnahmen, Prognose von Sozialleistungsbedarf, Erkennung von Betrugsmustern, Verkehrsflussoptimierung, Ressourcenplanung im Gesundheitswesen.

Diese Projekte sind oft forschungsnah und erfordern eine enge Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen der Behörde. Typische Volumina: 500.000 bis 3 Millionen Euro.

4. Robotic Process Automation (RPA) mit KI-Erweiterung

RPA — die Automatisierung regelbasierter Geschäftsprozesse durch Software-Roboter — ist in der Verwaltung bereits etabliert. Die nächste Stufe: Intelligent Automation, also die Kombination von RPA mit KI-Komponenten, die auch unstrukturierte Eingaben verarbeiten und Entscheidungen treffen können.

Ausschreibungen umfassen: Implementierung von RPA-Plattformen mit KI-Integration, Prozessanalyse und Identifikation von Automatisierungspotenzial, Entwicklung und Training von KI-Modellen für spezifische Prozessschritte und Betrieb und Weiterentwicklung der Automatisierungslösungen. Typische Volumina: 200.000 bis 1 Million Euro.

5. LLM-Integration und generative KI

Seit dem Durchbruch von ChatGPT und vergleichbaren Modellen explodiert die Nachfrage nach LLM-basierten Anwendungen in der Verwaltung. Behörden wollen die Produktivitätsgewinne generativer KI nutzen — aber unter Einhaltung strenger Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen.

Typische Ausschreibungen: Aufbau interner LLM-Plattformen (on-premise oder in der Bundes-/Landescloud), Integration von LLMs in bestehende Fachanwendungen, Entwicklung von RAG-Systemen (Retrieval Augmented Generation) auf behördeneigenen Datenbeständen, Prompt-Engineering und Fine-Tuning für verwaltungsspezifische Anwendungsfälle und Evaluierung und Vergleich verschiedener LLM-Anbieter. Typische Volumina: 300.000 bis 2 Millionen Euro.

6. KI-Strategieberatung und Governance

Bevor Behörden KI einsetzen, brauchen sie eine Strategie: Welche Prozesse eignen sich für KI? Welche Risiken bestehen? Wie wird KI governance-konform eingeführt? Wie werden Mitarbeiter geschult?

Ausschreibungen umfassen: Entwicklung einer KI-Strategie für die Behörde, KI-Readiness-Assessments, Aufbau von KI-Governance-Frameworks (im Einklang mit dem AI Act), Change-Management und Schulung und Ethische Bewertung von KI-Anwendungsfällen. Typische Volumina: 100.000 bis 500.000 Euro.

Die wichtigsten Auftraggeber

KI-Ausschreibungen kommen aus allen Ebenen der öffentlichen Verwaltung. Hier die wichtigsten Auftraggeber:

Bundesebene: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) als Treiber der KI-Strategie, das Bundesministerium des Innern (BMI) für Verwaltungsdigitalisierung, die Bundesagentur für Arbeit (einer der größten IT-Auftraggeber der Bundesverwaltung), das ITZBund (Informationstechnikzentrum Bund) als zentraler IT-Dienstleister und die BWI GmbH für den Verteidigungsbereich.

Landesebene: Landesrechenzentren wie das LDBV (Bayern), das ITDZ Berlin oder Dataport (Norddeutschland) sind zentrale Beschaffer. Dazu kommen die Landesministerien, insbesondere Innen-, Finanz- und Justizministerien, die eigene KI-Projekte anstoßen.

Kommunale Ebene: Große Städte wie München, Hamburg, Köln und Frankfurt treiben KI-Projekte voran. Kommunale IT-Dienstleister wie die regio iT oder die KDVZ Citkomm schreiben KI-Lösungen für ihre kommunalen Kunden aus.

Forschungsnahe Einrichtungen: Die Cyberagentur GmbH, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und verschiedene Fraunhofer-Institute vergeben Aufträge für anwendungsnahe KI-Forschung und -Entwicklung.

Anforderungen: Was öffentliche Auftraggeber bei KI-Projekten verlangen

KI-Ausschreibungen im öffentlichen Sektor haben spezifische Anforderungen, die über die rein technische Kompetenz hinausgehen:

DSGVO-Konformität: Datenschutz ist in jeder KI-Ausschreibung ein zentrales Thema. Personenbezogene Daten dürfen nur unter strengen Auflagen verarbeitet werden. Eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) ist bei KI-Systemen, die personenbezogene Daten verarbeiten, fast immer erforderlich. Sie müssen nachweisen, dass Ihre Lösung datenschutzkonform ist — von der Datenerhebung über das Training bis zum Produktivbetrieb.

Transparenz und Erklärbarkeit: Behörden treffen Entscheidungen, die Bürger betreffen. Wenn KI an diesen Entscheidungen beteiligt ist, muss sie erklärbar sein. „Black-Box"-Modelle sind im öffentlichen Sektor grundsätzlich problematisch. Ausschreibungen fordern zunehmend Explainable AI (XAI) — also die Fähigkeit, KI-Entscheidungen nachvollziehbar zu machen.

Digitale Souveränität: Ein politisch hochrelevantes Thema. Viele Behörden fordern, dass KI-Lösungen auf europäischen Servern betrieben werden, idealerweise in der Bundes- oder Landescloud. Open-Source-Modelle werden oft bevorzugt, weil sie weniger Abhängigkeit von US-amerikanischen Anbietern schaffen.

AI-Act-Konformität: Wie oben beschrieben, müssen KI-Systeme die Anforderungen des EU AI Act erfüllen. Das wird zunehmend explizit in Ausschreibungen gefordert — insbesondere die Risikoklassifizierung und die daraus resultierenden Dokumentationspflichten.

Barrierefreiheit: KI-Anwendungen, die mit Bürgern interagieren, müssen barrierefrei sein — gemäß BITV und Barrierefreiheitsanforderungen nach WCAG 2.1 AA. Das betrifft insbesondere Chatbots und virtuelle Assistenten.

IT-Sicherheit: KI-Systeme müssen den IT-Sicherheitsanforderungen des BSI entsprechen. Insbesondere bei Systemen, die sensible Daten verarbeiten, sind Sicherheitskonzepte, Penetrationstests und regelmäßige Sicherheitsaudits gefordert.

CPV-Codes und Suchbegriffe: So finden Sie KI-Ausschreibungen

Infographic

Tipp: Tendit kostenlos testen

Tendit findet automatisch passende IT-Ausschreibungen für Ihr Unternehmen — KI-gestützt und in Sekunden statt Stunden. Jetzt kostenlos testen →

Das Finden von KI-Ausschreibungen ist eine Herausforderung, weil es keinen einheitlichen CPV-Code (Common Procurement Vocabulary) für „Künstliche Intelligenz" gibt. KI-Ausschreibungen verstecken sich hinter verschiedenen Codes und Bezeichnungen:

Relevante CPV-Codes: 72000000-5 (IT-Dienste: Beratung, Software-Entwicklung, Internet und Hilfestellung), 72200000-7 (Softwareprogrammierung und -beratung), 72300000-8 (Datendienste), 72310000-1 (Datenverarbeitung), 72320000-4 (Datenbankdienste), 72500000-0 (Computerunterstützung und -beratung) und 73000000-2 (Forschungs- und Entwicklungsdienste und zugehörige Beratung).

Suchbegriffe auf Vergabeplattformen: Neben „Künstliche Intelligenz" und „KI" sollten Sie auch nach diesen Begriffen suchen: Machine Learning, Maschinelles Lernen, Deep Learning, Natural Language Processing (NLP), Chatbot, Sprachverarbeitung, Dokumentenanalyse, Intelligent Document Processing, Robotic Process Automation, RPA, Predictive Analytics, Large Language Model, LLM, Generative KI, Automatisierung, Datenanalyse, Data Science und Algorithmenbasierte Entscheidungsunterstützung. Die Vielfalt der Begriffe macht deutlich: Eine manuelle Suche über alle relevanten Vergabeplattformen ist extrem aufwendig. Genau hier helfen KI-basierte Monitoring-Tools, die alle Plattformen automatisch nach relevanten Ausschreibungen durchsuchen.

Positionierung: Wie mittelständische IT-Firmen KI-Ausschreibungen gewinnen

Die gute Nachricht für mittelständische IT-Beratungsunternehmen: Sie müssen keine eigenen KI-Modelle entwickeln, um KI-Ausschreibungen zu gewinnen. Die meisten Behörden suchen keine KI-Forscher, sondern IT-Dienstleister, die KI-Technologien integrieren, an spezifische Anforderungen anpassen und in bestehende IT-Landschaften einbetten können. Das ist Integration, Beratung und Implementierung — genau das, was IT-Beratungsunternehmen können.

Bauen Sie KI-Integrationskompetenz auf: Schulen Sie Ihre Consultants in der Integration von KI-Diensten und -Plattformen. Azure AI Services, AWS AI/ML Services, Open-Source-Frameworks wie Hugging Face oder LangChain — das sind die Werkzeuge, die in der Praxis zum Einsatz kommen. Sie müssen kein Transformer-Modell von Grund auf trainieren. Sie müssen wissen, wie man ein LLM in eine bestehende Fachanwendung integriert.

Kombinieren Sie KI mit Domänenwissen: Wenn Sie bereits Erfahrung im öffentlichen Sektor haben — etwa in der Verwaltungsdigitalisierung, im E-Government oder in Fachverfahren — können Sie KI als Ergänzung Ihres bestehenden Portfolios positionieren. Ein IT-Dienstleister, der sowohl die Verwaltungsprozesse als auch die KI-Technologie versteht, ist für Behörden attraktiver als ein reiner KI-Spezialist ohne Verwaltungserfahrung.

Praxis-Tipp: Sie müssen kein Transformer-Modell von Grund auf trainieren. Die meisten Behörden suchen IT-Dienstleister, die KI-Technologien integrieren, anpassen und in bestehende IT-Landschaften einbetten können. Azure AI Services, Hugging Face und LangChain sind die Werkzeuge der Praxis.

Fokussieren Sie auf einen Anwendungsfall: Statt alles abzudecken, spezialisieren Sie sich auf ein bis zwei KI-Anwendungsfelder. Werden Sie zum Experten für intelligente Dokumentenanalyse in der Verwaltung. Oder für Chatbot-Integration in Bürgerserviceportale. Oder für KI-basierte Datenanalyse in der Finanzverwaltung. Spezialisierung schlägt Breite.

Partnerschaften nutzen: Gehen Sie Partnerschaften mit KI-Technologieanbietern ein. Microsoft, Google, AWS und spezialisierte europäische KI-Anbieter wie Aleph Alpha haben Partnerprogramme. Als zertifizierter Partner können Sie deren Technologie in Ihre Lösungen integrieren und profitieren von der Markenstärke des Anbieters.

Referenzen schaffen: Starten Sie mit kleineren KI-Projekten — etwa bei einer Kommune oder einer nachgeordneten Behörde — und bauen Sie Referenzen auf. Im öffentlichen Sektor zählen Referenzen enorm. Ein erfolgreich umgesetztes Chatbot-Projekt bei einer Stadtverwaltung ist die beste Eintrittskarte für größere KI-Ausschreibungen auf Landesebene.

Warum KI ein Greenfield-Markt mit niedrigem Wettbewerb ist

Im Gegensatz zu etablierten IT-Marktsegmenten wie SAP-Beratung, Microsoft-Infrastruktur oder klassischer Softwareentwicklung ist der KI-Markt im öffentlichen Sektor noch erstaunlich offen:

Wenige spezialisierte Anbieter: Die großen Systemhäuser haben KI-Kompetenzen, sind aber oft zu teuer und zu langsam für kleinere KI-Projekte. Reine KI-Startups haben die Technologie, kennen aber den öffentlichen Sektor nicht. Das mittlere Segment — IT-Dienstleister mit sowohl KI- als auch Verwaltungskompetenz — ist dünn besetzt.

Experimentierphase: Viele Behörden befinden sich noch in der Experimentierphase. Sie suchen Partner, die sie auf dem Weg begleiten — von der Strategieentwicklung über den Proof of Concept bis zur Produktivsetzung. Das ist weniger ein „Best-of-Breed"-Wettbewerb als ein Beziehungsgeschäft.

Wachsender Markt: Wenn ein Markt schneller wächst als die Zahl der Anbieter, sinkt der Wettbewerbsdruck. Genau das beobachten wir bei KI-Ausschreibungen im öffentlichen Sektor. Es gibt mehr Projekte als kompetente Anbieter.

Regulatorische Kompetenz als Differenzierung: Der AI Act, die DSGVO, die Transparenzanforderungen — all das schreckt viele potenzielle Anbieter ab. Wenn Sie diese regulatorischen Anforderungen beherrschen, haben Sie einen Wettbewerbsvorteil, den rein technologische Anbieter nicht haben.

Key Takeaway: Der KI-Markt im öffentlichen Sektor ist ein seltener Greenfield-Markt. Die großen Systemhäuser sind oft zu teuer, reine KI-Startups kennen den Public Sector nicht. Mittelständische IT-Dienstleister mit Verwaltungserfahrung + KI-Integrationskompetenz besetzen die attraktivste Position.

Fazit: Jetzt positionieren, bevor der Markt reift

KI-Ausschreibungen im öffentlichen Sektor sind kein Zukunftsthema — sie sind Gegenwart. Die Budgets sind da, der politische Wille ist da, der Bedarf ist da. Was fehlt, sind kompetente IT-Dienstleister, die KI-Lösungen unter den besonderen Bedingungen des öffentlichen Sektors implementieren können.

Für mittelständische IT-Beratungsunternehmen ist das eine einmalige Gelegenheit. Sie müssen keine Milliarden in KI-Forschung investieren. Sie müssen KI-Integrationskompetenz aufbauen, Ihre bestehende Verwaltungserfahrung nutzen und die relevanten Ausschreibungen finden. Der dritte Punkt ist dabei der entscheidende Engpass: KI-Ausschreibungen verstecken sich hinter unzähligen CPV-Codes und Suchbegriffen auf Dutzenden von Vergabeplattformen. Wer sie systematisch findet, hat einen entscheidenden Vorsprung.

Zusammenfassung

  • KI-Ausschreibungen im öffentlichen Sektor haben sich in den letzten drei Jahren vervielfacht
  • Sechs Kategorien bieten Einstiegsmöglichkeiten — von Chatbots über IDP bis LLM-Integration
  • Der EU AI Act, DSGVO und digitale Souveränität sind Pflichtthemen in jeder Ausschreibung
  • Mittelständler mit Verwaltungserfahrung + KI-Integrationskompetenz haben die beste Marktposition
  • KI-Ausschreibungen verstecken sich hinter vielen CPV-Codes — systematisches Monitoring ist entscheidend

Testen Sie Tendit 8 Wochen kostenlos — und verpassen Sie keine relevante Ausschreibung mehr. usetendit.com

Verpassen Sie keine relevante IT-Ausschreibung mehr

Tendit findet automatisch die passenden öffentlichen Aufträge für Ihr Unternehmen. 8 Wochen kostenlos.

Jetzt kostenlos testen