Letzte Aktualisierung: März 2026 | Lesezeit: ca. 10 Min.
SAP ist das Rückgrat der deutschen Verwaltungs-IT. Vom Bundeshaushaltssystem bis zur kommunalen Personalabrechnung — die öffentliche Hand betreibt tausende SAP-Systeme. Und jetzt steht die größte Migrationswelle seit der Einführung von R/3 bevor: die Umstellung auf S/4HANA. Für mittelständische SAP-Beratungen eröffnet sich ein Markt mit enormem Volumen und langen Laufzeiten. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich positionieren.
Auf einen Blick:
- Mehrere Mrd. EUR jährliches Volumen für SAP-Dienstleistungen im öffentlichen Sektor
- 2027/2030 endet der SAP ECC 6.0-Support — die S/4HANA-Migration ist jetzt Pflicht
- 100+ Bundesbehörden betreibt das ITZBund mit SAP — der größte einzelne Auftraggeber
- 500 EUR pro Prüfung kostet eine SAP-Zertifizierung — überschaubare Investition mit hohem ROI
- 5 Ausschreibungstypen: Migration, Betrieb, Beratung, Schulung und Spezialthemen
Die SAP-Landschaft der öffentlichen Verwaltung
Ein Überblick in Zahlen
SAP ist der dominierende ERP-Hersteller im deutschen öffentlichen Sektor. Nahezu alle Bundesbehörden, die Mehrzahl der Landesverwaltungen und hunderte Kommunen, Stadtwerke, Krankenhäuser und öffentliche Unternehmen setzen SAP ein. Die wichtigsten Einsatzbereiche:
- Finanzwesen (FI/CO): Haushaltswirtschaft, Kosten- und Leistungsrechnung, Anlagenbuchhaltung. Das integrierte Haushaltsmanagement-System des Bundes (iHMS) basiert auf SAP.
- Personalwirtschaft (HCM): Personalabrechnung, Zeitwirtschaft, Organisationsmanagement. Landesverwaltungen wie Bayern, Hessen und NRW betreiben zentrale SAP-HCM-Systeme für zehntausende Beschäftigte.
- Materialwirtschaft und Beschaffung (MM/SRM): Einkauf, Lagerverwaltung, Bestandsführung — besonders relevant bei Bundeswehr, Polizei und öffentlichen Krankenhäusern.
- Branchenlösungen: SAP for Public Sector, SAP for Defense and Security, SAP for Healthcare. Diese Branchenlösungen enthalten verwaltungsspezifische Funktionen wie Mittelbindung, Haushaltsüberwachung und Vergabemanagement.
Der Gesamtmarkt für SAP-Dienstleistungen im öffentlichen Sektor wird auf mehrere Milliarden Euro jährlich geschätzt — Lizenzen, Implementierung, Betrieb und Beratung zusammengenommen. Und dieser Markt wird in den nächsten Jahren deutlich wachsen.
Die S/4HANA-Migrationswelle: Warum jetzt alles anders wird
Das Ende des Supports
SAP hat das Mainstream-Wartungsende für die Business Suite 7 (ECC 6.0) auf 2027 festgelegt, mit der Option auf erweiterte Wartung bis 2030. Für die öffentliche Verwaltung, die typischerweise lange Planungszyklen hat, bedeutet das: Die Migration auf S/4HANA muss jetzt geplant und begonnen werden — auch wenn der Abschluss erst in einigen Jahren liegt.
Die Dimension der Aufgabe
Eine S/4HANA-Migration im öffentlichen Sektor ist kein einfaches technisches Upgrade. Sie erfordert:
- Analyse des bestehenden SAP-Customizings: Öffentliche Verwaltungen haben ihre SAP-Systeme über Jahrzehnte an spezifische Verwaltungsprozesse angepasst. Viele dieser Anpassungen müssen für S/4HANA neu gedacht werden.
- Prozessharmonisierung: Die Migration bietet die Chance — und oft die Notwendigkeit —, gewachsene Prozesse zu überdenken. Das erfordert intensive Fachabteilungsworkshops und Change-Management.
- Datenmigration: Das neue Datenmodell von S/4HANA (Universal Journal, Business Partner) erfordert eine sorgfältige Datenmigration. Bei Behörden mit Jahrzehnten an Stamm- und Bewegungsdaten ist das eine erhebliche Aufgabe.
- Schnittstellenanpassung: SAP-Systeme im öffentlichen Sektor sind über hunderte Schnittstellen mit Fachverfahren, Portalen und externen Systemen verbunden. Jede dieser Schnittstellen muss für S/4HANA angepasst werden.
- Test und Abnahme: Die Anforderungen an Qualitätssicherung und formale Abnahme sind im öffentlichen Sektor höher als in der Privatwirtschaft. Testphasen sind entsprechend länger.
Konkretes Beispiel: Die Bundesverwaltung
Das IT-Zentrum Bund (ITZBund) betreibt SAP-Systeme für über 100 Bundesbehörden. Die Migration auf S/4HANA betrifft Systeme, die das Bundeshaushaltssystem, die Personalabrechnung der Bundesbediensteten und die Materialwirtschaft der Bundeswehr umfassen. Das Projektvolumen wird auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt — verteilt auf mehrere Jahre und dutzende Teilprojekte. Ähnliche Migrationen stehen in den Landesverwaltungen an: Bayern, NRW, Hessen und Baden-Württemberg haben bereits Programme aufgesetzt.
Zahlen & Fakten: Die S/4HANA-Migration des ITZBund hat ein geschätztes Volumen im hohen dreistelligen Millionenbereich. Verteilt auf mehrere Jahre und Dutzende Teilprojekte bietet sie auch mittelständischen SAP-Beratungen Einstiegsmöglichkeiten — insbesondere in spezialisierten Modulen.
Typen von SAP-Ausschreibungen im öffentlichen Sektor
1. Implementierung und Migration
Dies ist derzeit die größte Kategorie. Die S/4HANA-Migration erzeugt Bedarf an:
- Migrationsstrategie und -planung (Greenfield vs. Brownfield vs. Selective Data Transition)
- Technische Migration und Konvertierung
- Customizing-Anpassung und Neuentwicklung
- Datenmigration und -bereinigung
- Schnittstellenentwicklung und -anpassung
- Test und Qualitätssicherung
Typische Volumina: 500.000 Euro bis 50 Millionen Euro, abhängig von Umfang und Behördengröße.
Beispiel-Ausschreibung: Ein Landesrechenzentrum schreibt die Begleitung der S/4HANA-Migration für das zentrale Finanzwesen aller Landesbehörden aus. Gefordert: Erfahrung mit SAP S/4HANA Public Sector, mindestens drei vergleichbare Migrationsreferenzen, ein Team aus mindestens acht Beratern mit definierten Rollenprofilen. Laufzeit: 36 Monate mit Verlängerungsoption.
2. Betrieb und Application Management
SAP-Systeme müssen betrieben, gewartet und weiterentwickelt werden. Öffentliche Auftraggeber schreiben diese Leistungen regelmäßig als Rahmenverträge aus:
- Basis-Betrieb (Administration, Monitoring, Patch-Management)
- Application Management Services (AMS): Second- und Third-Level-Support, Fehlerbehebung, Kleinänderungen
- Weiterentwicklung: Neue Funktionen, Anpassungen an gesetzliche Änderungen
- Release-Management und Upgrade-Begleitung
Typische Volumina: 1 Million bis 20 Millionen Euro über die Vertragslaufzeit.
Beispiel-Ausschreibung: Eine Bundesbehörde schreibt den Application-Management-Service für ihr SAP-HCM-System mit 15.000 Endanwendern aus. Gefordert: SLA-basierte Leistungserbringung, Vor-Ort-Präsenz an zwei Standorten, Erfahrung mit SAP HCM Public Sector. Laufzeit: 48 Monate mit Verlängerungsoption um 24 Monate.
3. Beratung und Konzeption
Viele Behörden brauchen strategische Beratung, bevor sie in die Umsetzung gehen:
- S/4HANA-Readiness-Assessments
- Prozessoptimierung und Sollkonzeption
- Evaluierung von Deployment-Optionen (On-Premise, Private Cloud, SAP RISE)
- Architekturberatung und Integrationskonzepte
- Lizenzoptimierung und -beratung
Typische Volumina: 100.000 Euro bis 2 Millionen Euro.
Beispiel-Ausschreibung: Ein kommunaler IT-Dienstleister, der SAP für 20 Kommunen betreibt, schreibt eine Machbarkeitsstudie für die S/4HANA-Migration aus. Gefordert: Bewertung des Ist-Zustands, Migrationsstrategie, Aufwandsschätzung, Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Laufzeit: 6 Monate.
4. Schulung und Qualifizierung
Die Umstellung auf S/4HANA erfordert massive Schulungsmaßnahmen — sowohl für IT-Mitarbeiter als auch für Endanwender:
- SAP-Basis-Schulungen für S/4HANA
- Modul-spezifische Schulungen (FI, CO, HCM, MM)
- Endanwender-Schulungen und E-Learning-Entwicklung
- Train-the-Trainer-Programme
- Change-Management-Begleitung
Typische Volumina: 50.000 Euro bis 1 Million Euro.
5. Spezialthemen
Neben den Standardkategorien gibt es zunehmend Ausschreibungen für Spezialthemen:
- SAP BTP (Business Technology Platform): Integration, Entwicklung und Betrieb von Cloud-Applikationen auf der SAP-eigenen Plattform.
- SAP Analytics Cloud: Business Intelligence und Reporting für Verwaltungsdaten.
- SAP Ariba / SAP SRM: Digitalisierung des öffentlichen Einkaufs.
- SAP SuccessFactors: Moderne Personalwirtschaft als Cloud-Lösung.
- SAP Fiori / UI-Modernisierung: Benutzeroberflächen-Modernisierung für bessere Akzeptanz.
Die wichtigsten Auftraggeber
Bundesebene
- ITZBund: Zentraler IT-Dienstleister des Bundes, betreibt SAP-Systeme für über 100 Bundesbehörden. Größter einzelner SAP-Auftraggeber der öffentlichen Hand.
- BWI GmbH: IT-Dienstleister der Bundeswehr. Betreibt eines der größten SAP-Systeme in Europa (SAP ERP für Logistik, Personal und Finanzen der Bundeswehr).
- Bundesagentur für Arbeit: Betreibt umfangreiche SAP-Systeme für Finanzwesen und Personalwirtschaft.
- Beschaffungsamt des BMI: Schreibt Rahmenverträge für SAP-Beratungsleistungen aus, die von vielen Bundesbehörden abgerufen werden können.
Landesebene
- Landesrechenzentren: IT.NRW, Dataport (für Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Sachsen-Anhalt), LDBV Bayern, HZD Hessen und andere betreiben zentrale SAP-Systeme für ihre Landesverwaltungen.
- Landesämter für Finanzen: Betreiben häufig eigene SAP-FI-Instanzen für die Haushaltswirtschaft.
- Landespolizeien und Justiz: Nutzen SAP für Verwaltung und Logistik.
Kommunale Ebene und öffentliche Unternehmen
- Kommunale IT-Dienstleister: AKDB (Bayern), KDVZ (NRW), KDO (Niedersachsen) und andere betreiben SAP für hunderte Kommunen.
- Stadtwerke und Energieversorger: Nutzen SAP IS-U für die Energieverbrauchsabrechnung und SAP ERP für das Finanzwesen.
- Universitätskliniken und öffentliche Krankenhäuser: SAP IS-H für das Krankenhausmanagement.
- Verkehrsunternehmen: Deutsche Bahn, kommunale Verkehrsbetriebe.
Zertifizierungen und Partneranforderungen
SAP-Partnerstatus
Für viele öffentliche SAP-Ausschreibungen wird ein SAP-Partnerstatus gefordert oder als Eignungskriterium bewertet. Die relevanten Stufen:
- SAP Partner: Grundlegender Status, nachgewiesen durch Partnervertrag mit SAP.
- SAP Gold Partner: Höherer Status mit Nachweis von Kompetenz und Kundenzufriedenheit.
- SAP-Zertifizierungen für Berater: SAP bietet modulspezifische Zertifizierungen an (z.B. SAP Certified Application Associate für S/4HANA Finance, HCM, etc.). Ausschreibungen fordern häufig, dass ein bestimmter Anteil der eingesetzten Berater zertifiziert ist.
Was mittelständische Beratungen wissen müssen
Der SAP-Partnerstatus ist wichtig, aber nicht immer zwingend erforderlich. Manche Ausschreibungen fordern ihn als Muss-Kriterium — dann kommen Sie ohne nicht ins Verfahren. Andere bewerten ihn als Kann-Kriterium mit Zusatzpunkten. Und bei einigen Ausschreibungen spielt er keine Rolle, solange Sie die fachliche Kompetenz nachweisen können.
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Für mittelständische SAP-Beratungen empfiehlt sich mindestens der Basis-Partnerstatus. Investieren Sie außerdem in SAP-Zertifizierungen für Ihre Schlüsselberater — die Kosten sind überschaubar (ca. 500-600 Euro pro Prüfung), aber der Nachweis wird in Ausschreibungen regelmäßig gefordert.
Strategien für mittelständische SAP-Beratungen

Strategie 1: Nischenmodule und Spezialwissen
Key Takeaway: Als mittelständische SAP-Beratung gewinnen Sie nicht gegen Accenture oder Deloitte im Gesamtprojekt. Aber in Nischen wie SAP HCM im öffentlichen Dienst, SAP IS-U für Stadtwerke oder SAP GRC haben selbst die Großen oft keine internen Kapazitäten.
Die großen SAP-Beratungshäuser — Accenture, Deloitte, IBM, T-Systems, msg systems — dominieren die großen Gesamtprojekte. Als mittelständische Beratung mit 50 bis 100 Mitarbeitern können Sie hier in der Regel nicht mithalten. Aber Sie können sich in Nischen positionieren, die für die Großen zu klein oder zu spezialisiert sind.
Beispiel: Sie haben ein Team von acht Beratern, das sich auf SAP HCM im öffentlichen Dienst spezialisiert hat — inklusive der Besonderheiten der Beamtenbesoldung, des Tarifrechts (TVöD/TV-L) und der Zusatzversorgung. Dieses Spezialwissen ist so nischig, dass selbst große Beratungshäuser es oft nicht intern vorhalten. Wenn ein Landesrechenzentrum die Migration seiner HCM-Systeme auf S/4HANA SuccessFactors oder HCM for S/4HANA ausschreibt, sind Sie mit Ihrem Spezialwissen ein ernsthafter Wettbewerber.
Andere lukrative Nischen:
- SAP IS-U (Utilities): Stadtwerke und Energieversorger in öffentlicher Hand
- SAP for Public Sector: Haushaltswirtschaft mit Mittelbindung und Verpflichtungsermächtigungen
- SAP GRC (Governance, Risk, Compliance): Zunehmend gefordert, wenig Spezialisten
- SAP BTP-Entwicklung: Integration und Erweiterung über die Business Technology Platform
- SAP Berechtigungsmanagement: Rollen- und Berechtigungskonzepte für die Verwaltung
Strategie 2: Bietergemeinschaften und Partnernetzwerke
Bei großen Ausschreibungen, die das Leistungsspektrum einer einzelnen mittelständischen Beratung übersteigen, bieten Bietergemeinschaften eine realistische Alternative zum Alleingang:
- Horizontal: Zwei oder drei mittelständische SAP-Beratungen mit komplementären Modulkompetenzen tun sich zusammen. Firma A bringt FI/CO-Expertise ein, Firma B HCM, Firma C Basis und BTP.
- Vertikal: Eine SAP-Beratung bildet eine Bietergemeinschaft mit einem Spezialisten für Change-Management oder mit einem regionalen IT-Dienstleister, der die Vor-Ort-Präsenz sicherstellt.
Häufiger Fehler: Bietergemeinschaften scheitern häufig an ungeklärter Rollenverteilung und Haftungsfragen. Klären Sie diese Punkte vor der Angebotsabgabe schriftlich — die Vergabestelle erwartet eine klare Zuordnung.
Wichtig bei Bietergemeinschaften: Klären Sie die Rollenverteilung, die Haftung und die interne Organisation vor der Angebotsabgabe. Die Vergabestelle will eine klare Zuordnung: Wer ist federführend? Wer verantwortet welchen Leistungsteil? Wie ist die gesamtschuldnerische Haftung geregelt?
Strategie 3: Vom Nachunternehmer zum Hauptauftragnehmer
Ein pragmatischer Einstiegsweg: Beginnen Sie als Nachunternehmer eines größeren SAP-Dienstleisters. Viele Rahmenverträge im öffentlichen Sektor erlauben oder erfordern die Einbindung von Nachunternehmern. Alternativ können Sie auch über Personalverstärkung in der öffentlichen IT erste Erfahrungen im Public Sector sammeln. So sammeln Sie Public-Sector-Referenzen, lernen die spezifischen Anforderungen kennen und bauen Beziehungen auf — ohne das Risiko einer eigenen Hauptangebotsstellung.
Nach zwei bis drei erfolgreichen Projekten als Nachunternehmer haben Sie die Referenzen und das Verständnis, um selbst als Hauptauftragnehmer aufzutreten — zunächst bei kleineren Ausschreibungen, dann schrittweise bei größeren.
Strategie 4: Regionale Positionierung
Nicht alle SAP-Ausschreibungen sind bundesweit. Viele Kommunen, kommunale IT-Dienstleister und auch Landesbehörden bevorzugen — im Rahmen des vergaberechtlich Zulässigen — regionale Anbieter. Wenn Sie Ihre Beratung in einer Region mit hoher SAP-Durchdringung im öffentlichen Sektor ansiedeln (z.B. Bayern mit der AKDB, NRW mit IT.NRW, Norddeutschland mit Dataport), können Sie regionale Nähe als Wettbewerbsvorteil nutzen. Vor-Ort-Präsenz, kurze Reaktionszeiten und Kenntnis der regionalen Verwaltungsstrukturen sind echte Differenzierungsmerkmale.
Cloud vs. On-Premise: Die aktuelle Debatte
SAP RISE und die Cloud-Frage
SAP forciert mit RISE with SAP den Umstieg auf die Cloud. Für privatwirtschaftliche Kunden ist der Trend eindeutig — für die öffentliche Verwaltung ist die Lage komplizierter:
Pro Cloud (RISE with SAP):
- Reduzierter Betriebsaufwand
- Automatische Updates und Innovationen
- Skalierbarkeit bei Lastspitzen
- SAP investiert primär in die Cloud-Version
Contra Cloud in der Verwaltung:
- Datensouveränität: Wo liegen die Daten? Wer hat Zugriff? Die meisten Behörden fordern Datenhaltung in Deutschland und Betrieb durch EU-Unternehmen.
- BSI C5-Testat: Cloud-Dienste für die Verwaltung müssen in der Regel ein BSI C5-Testat vorweisen.
- Abhängigkeit: Die Verwaltung scheut langfristige Vendor-Lock-ins, insbesondere bei einem Anbieter, der die Preise einseitig gestalten kann.
- Netzwerkinfrastruktur: Viele Behörden haben nicht die Netzwerkbandbreite für einen vollständigen Cloud-Betrieb.
Die Realität: Hybride Modelle
In der Praxis zeichnet sich eine hybride Strategie ab. Einige Module — insbesondere Analytics, HR und Procurement — migrieren in die Cloud. Die Kernprozesse der Haushaltswirtschaft und des Finanzwesens bleiben vorerst On-Premise oder in einer Bundescloud / Landes-Cloud. Das ITZBund betreibt eine private Cloud-Umgebung, in der SAP-Systeme in einer kontrollierten Umgebung laufen — Cloud-Architektur, aber unter eigener Kontrolle.
Was das für Sie bedeutet
Praxis-Tipp: Bauen Sie hybride Kompetenz auf: On-Premise-Kern plus Cloud-Erweiterungen. Die Fähigkeit, beide Welten zu verbinden, wird in Ausschreibungen zunehmend als eigenständige Beratungsleistung gefordert und ist ein starkes Differenzierungsmerkmal.
Positionieren Sie sich als Berater, der beide Welten versteht. Die Fähigkeit, eine hybride SAP-Architektur zu entwerfen — mit On-Premise-Kern, Cloud-Erweiterungen und sicherer Integration —, ist genau das, was öffentliche Auftraggeber brauchen. Wer nur Cloud oder nur On-Premise kann, verliert Aufträge. Die Beratungskompetenz für die Evaluierung von Deployment-Modellen (On-Premise, Private Cloud, RISE with SAP, Hybrid) wird zunehmend in Ausschreibungen als eigenständige Leistung gefordert.
Aktuelle Trends und Ausblick
Trend 1: SAP BTP als Integrationsplattform
Die SAP Business Technology Platform gewinnt im öffentlichen Sektor an Bedeutung. Behörden nutzen BTP, um SAP-Systeme mit Fachverfahren zu integrieren, individuelle Applikationen zu entwickeln und Analysen durchzuführen. BTP-Kompetenz wird zunehmend in Ausschreibungen gefordert — und ist noch ein Differenzierungsmerkmal, weil wenige Berater praktische Erfahrung damit vorweisen können.
Trend 2: Clean Core und Extensibility
SAP propagiert das "Clean Core"-Konzept: Der SAP-Standard soll möglichst unverändert bleiben, Anpassungen werden über definierte Erweiterungspunkte (APIs, BTP-Apps) realisiert. Für die öffentliche Verwaltung, die traditionell stark customisiert hat, ist das ein Paradigmenwechsel. Berater, die bei der Umstellung von Z-Programmen auf saubere Erweiterungsarchitekturen helfen können, sind gefragt.
Trend 3: SAP SuccessFactors im öffentlichen Dienst
Die Migration von SAP HCM nach SuccessFactors kommt langsam auch im öffentlichen Sektor an. Die Herausforderung: SuccessFactors muss die Komplexität des deutschen öffentlichen Dienstrechts abbilden — Beamtenbesoldung, Zulagen, Teilzeitmodelle, Altersteilzeit, betriebliche Altersversorgung. Hier entsteht ein Markt für hochspezialisierte Beratung.
Trend 4: Automatisierung und RPA im SAP-Umfeld
Behörden entdecken Robotic Process Automation für repetitive SAP-Transaktionen: automatisierte Rechnungsprüfung, Stammdatenpflege, Berichterstellung. Die Kombination aus SAP-Wissen und RPA-Kompetenz (SAP iRPA, UiPath, Automation Anywhere) ist noch selten — und entsprechend wertvoll.
Trend 5: Konsolidierung und Standardisierung
Bund und Länder streben eine Konsolidierung ihrer SAP-Landschaften an. Statt hunderten individuellen Systemen soll es standardisierte Templates und zentral betriebene Plattformen geben. Das schafft Bedarf an SAP-Architekten, die Standardisierungskonzepte entwickeln, und an Migrationsspezialisten, die heterogene Systeme zusammenführen.
Fazit: Der SAP-Markt im öffentlichen Sektor ist ein Marathon, kein Sprint
Die S/4HANA-Migration der öffentlichen Verwaltung wird keine ein oder zwei Jahre dauern, sondern ein Jahrzehnt. Um relevante Ausschreibungen zu finden, helfen Ihnen die passenden CPV-Codes für IT-Dienstleistungen. Das ist eine strategische Chance für mittelständische SAP-Beratungen: Wer sich jetzt positioniert, baut Referenzen und Beziehungen auf, die über Jahre Umsatz generieren. Der Schlüssel liegt in der Spezialisierung — ob auf bestimmte Module, Branchen oder Regionen — und in der Fähigkeit, die Anforderungen des öffentlichen Sektors zu verstehen und zu bedienen.
Und der erste Schritt ist wie bei jedem Markt: Sie müssen wissen, welche Ausschreibungen gerade laufen. Wer auf manuelle Recherche setzt, verpasst Chancen. Wer systematisch sucht, findet sie.
Zusammenfassung — So starten Sie im SAP-Public-Sector-Markt:
- Nische wählen: Spezialisierung auf ein Modul (HCM, IS-U, GRC, BTP) schlägt Breitenwissen
- Partnerstatus sichern: Mindestens Basis-SAP-Partner und Zertifizierungen für Schlüsselberater
- Einstieg als Nachunternehmer: 2–3 Referenzprojekte sammeln, dann als Hauptauftragnehmer auftreten
- Bietergemeinschaften bilden: Komplementäre Kompetenzen bündeln für größere Ausschreibungen
- Hybride Cloud-Kompetenz aufbauen: On-Premise + RISE with SAP verstehen
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