CPV-Blindspots bei IT-Ausschreibungen: 90-Tage-TED-Datenanalyse

Datenstand: 27. Juli 2026 | Analysezeitraum: 28. April bis 27. Juli 2026
Wer öffentliche IT-Ausschreibungen nur über CPV-Codes sucht, verlässt sich darauf, dass die Bekanntmachung passend klassifiziert wurde. Wie groß die potenzielle Suchlücke ist, haben wir mit zwei reproduzierbaren Abfragen der offiziellen TED Search API untersucht.
Das Ergebnis: Im betrachteten 90-Tage-Fenster fanden wir 1.673 deutsche TED-Auftragsbekanntmachungen mit einem CPV-Code aus den Divisionen 48 oder 72. Eine zweite Abfrage fand 70 weitere Bekanntmachungen, die mindestens einen von sechs definierten IT-Leistungsbegriffen enthielten, aber keinen CPV-Code aus diesen beiden Divisionen.
Key Takeaways
- 1.673 Bekanntmachungen waren über CPV 48 oder 72 auffindbar
- 70 weitere Bekanntmachungen enthielten einen der sechs IT-Suchbegriffe außerhalb dieser CPV-Divisionen
- 46 der 70 Kandidaten wurden durch „IT-Beratung“ gefunden; die Breite des Suchbegriffs beeinflusst das Ergebnis stark
- Die häufigsten anderen CPV-Divisionen waren Unternehmensdienstleistungen (26), Gesundheits- und Sozialwesen (12) sowie Architektur- und Ingenieurleistungen (12)
- Die 70 Treffer sind potenzielle Blindspots, nicht automatisch 70 relevante IT-Aufträge
- CPV plus Freitext ist robuster als eine Suche nur über CPV-Codes
- Die vollständigen Abfragen, Definitionen und Einschränkungen stehen in diesem Artikel
Was genau haben wir untersucht?
Wir haben die öffentliche TED Search API am 27. Juli 2026 abgefragt. Die API stellt veröffentlichte Vergabebekanntmachungen ohne Authentifizierung für Analyse und Weiterverwendung bereit.
Beide Abfragen nutzten denselben Rahmen:
| Merkmal | Definition |
|---|---|
| Zeitraum | 28.04.2026 bis 27.07.2026 |
| Land | Sitzland des Auftraggebers: Deutschland (buyer-country = DEU) |
| Bekanntmachungen | Standard- und Social-Regime-Auftragsbekanntmachungen (cn-standard, cn-social) |
| Quelle | TED Search API v3 |
| Stichtag der Abfrage | 27.07.2026 |
Die erste Abfrage erfasste Bekanntmachungen mit mindestens einem CPV-Code aus:
- Division 48: Softwarepakete und Informationssysteme
- Division 72: IT-Dienste, Beratung, Softwareentwicklung, Internet und Support
Nach der offiziellen CPV-Systematik kennzeichnen die ersten beiden Ziffern eine Division. Unsere Abfrage berücksichtigte nicht nur den Hauptcode, sondern alle im TED-Datensatz enthaltenen CPV-Klassifikationen. Eine Bekanntmachung mit einem beliebigen 48er- oder 72er-Code landete somit in der CPV-Kohorte und nicht in der Blindspot-Kohorte.
Die zweite Abfrage suchte außerhalb dieser beiden Divisionen nach sechs vorab festgelegten Begriffen:
- Softwareentwicklung
- Anwendungsentwicklung
- Fachverfahren
- IT-Beratung
- Systemintegration
- Cloud-Migration
Wie lautet das Ergebnis der TED-Analyse?
| Suchlogik | Treffer | Was die Zahl bedeutet |
|---|---|---|
| CPV beginnt mit 48 oder 72 | 1.673 | Über die beiden zentralen IT-Divisionen auffindbare Bekanntmachungen |
| Einer von sechs IT-Begriffen, aber kein CPV 48/72 | 70 | Zusätzliche Kandidaten, die eine reine CPV-48/72-Suche nicht erfasst |
Die beiden Werte beantworten unterschiedliche Fragen. Die 1.673 zeigen die Größe des breit CPV-kodierten IT-Korpus. Die 70 zeigen eine zusätzliche Prüfmenge, die erst durch Freitext außerhalb der gewählten IT-Divisionen sichtbar wird.
Innerhalb der 1.673 CPV-Treffer sieht die Verteilung so aus:
| CPV-Zuordnung | Bekanntmachungen | Anteil an der CPV-Kohorte |
|---|---|---|
| Nur Division 48 | 565 | 33,8 % |
| Nur Division 72 | 861 | 51,5 % |
| Mindestens ein Code aus 48 und 72 | 247 | 14,8 % |
| Gesamt | 1.673 | 100 % |
Damit wären bereits 247 Bekanntmachungen falsch gezählt, wenn man die Trefferzahlen separater 48er- und 72er-Suchen einfach addieren würde. Für belastbare Marktanalysen müssen Bekanntmachungen deshalb über ihre Veröffentlichungsnummer dedupliziert werden.
Wichtig: Wir haben die 70 Kandidaten in dieser ersten Veröffentlichung nicht einzeln fachlich bewertet. Ein Begriff kann nur einen Nebenbestandteil der Leistung beschreiben. Deshalb wäre die Aussage „70 relevante IT-Ausschreibungen wurden falsch kodiert“ nicht belegt. Belastbar ist nur: 70 Bekanntmachungen erfüllten die vorab definierte Keyword-Bedingung, obwohl kein CPV-Code mit 48 oder 72 begann.
Welche Suchbegriffe erzeugten die 70 Kandidaten?
Wir haben jeden der sechs Begriffe zusätzlich separat mit demselben Länder-, Zeit- und Bekanntmachungsfilter abgefragt:
| Freitextbegriff | Treffer außerhalb CPV 48/72 | Einordnung |
|---|---|---|
| IT-Beratung | 46 | Breiter Begriff, der auch begleitende Beratung erfassen kann |
| Systemintegration | 15 | Kann IT, Kommunikationstechnik oder technische Gesamtsysteme betreffen |
| Softwareentwicklung | 4 | Enger Leistungsbegriff mit vergleichsweise kleiner Kandidatenmenge |
| Anwendungsentwicklung | 3 | Noch spezifischer; häufig Teil größerer Leistungsbeschreibungen |
| Fachverfahren | 2 | Beschreibt den fachlichen Anwendungskontext, nicht zwingend die Beschaffungsart |
| Cloud-Migration | 1 | Sehr spezifische Formulierung |
Die Einzelwerte ergeben zusammen 71, obwohl die Gesamtabfrage 70 eindeutige Bekanntmachungen liefert. Der Grund ist eine Überschneidung: Eine Bekanntmachung erfüllt zwei Keyword-Bedingungen. Auch Freitext-Kohorten müssen daher dedupliziert werden.
Der wichtigste Befund dieser Aufschlüsselung ist nicht, dass „IT-Beratung“ der beste Begriff sei. Im Gegenteil: 46 von 70 Kandidaten hängen an einem relativ breiten Begriff. Ohne manuelle Relevanzprüfung kann die Analyse nicht trennen, ob IT-Beratung Hauptleistung, Teilleistung oder nur Randanforderung ist. Ein produktives Suchprofil braucht deshalb sowohl breite Discovery-Begriffe als auch eine nachgelagerte Qualifizierung.
Unter welchen anderen CPV-Divisionen liegen die Kandidaten?
Die 70 Kandidaten tragen insgesamt 19 verschiedene CPV-Divisionen außerhalb von 48 und 72. Am häufigsten kommen folgende Familien vor:
| CPV-Division | Kurzbeschreibung | Kandidaten mit mindestens einem Code |
|---|---|---|
| 79 | Unternehmensdienstleistungen, Beratung und verwandte Leistungen | 26 |
| 85 | Dienstleistungen des Gesundheits- und Sozialwesens | 12 |
| 71 | Architektur-, Bau-, Ingenieur- und Prüfleistungen | 12 |
| 32 | Rundfunk-, Fernseh- und Telekommunikationstechnik | 6 |
| 75 | Öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung | 4 |
| 73 | Forschung und Entwicklung sowie zugehörige Beratung | 3 |
| 50 | Reparatur- und Wartungsdienste | 3 |
Die Werte sind nicht additiv: 28 der 70 Bekanntmachungen, also 40 %, enthalten mehrere unterschiedliche CPV-Codes. Eine Bekanntmachung kann deshalb in mehreren Zeilen vorkommen. Genau diese Mehrfachklassifikation erklärt einen Teil des Suchproblems: Der digitale Leistungsanteil kann in einem fachlich dominierten Gesamtauftrag stecken, ohne dass zusätzlich ein 48er- oder 72er-Code vergeben wurde.
Die Verteilung liefert außerdem konkrete Hinweise für Suchprofile. Wer beispielsweise Software für Kliniken, technische Anlagen oder Verwaltungslösungen anbietet, sollte nicht nur weitere IT-Codes ergänzen. Sinnvoller ist es, branchenspezifische Begriffe aus den Zielmärkten mit dem eigenen Leistungswortschatz zu kombinieren.
Sind die 70 Kandidaten nur ungewöhnliche Vergabeverfahren?
Nein. Die Verfahrensarten verteilen sich wie folgt:
| Verfahrensart im TED-Datensatz | Kandidaten | Anteil |
|---|---|---|
Offenes Verfahren (open) | 48 | 68,6 % |
Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb (neg-w-call) | 20 | 28,6 % |
| Nichtoffenes oder sonstiges einstufiges Verfahren | 2 | 2,9 % |
Die Kandidaten liegen damit überwiegend in regulär sichtbaren offenen Verfahren. Die potenzielle Lücke entsteht nicht erst durch exotische Verfahrensarten, sondern bereits bei der Kombination aus Klassifikation und Suchlogik.
Beweist die Analyse, dass CPV-Codes falsch vergeben wurden?
Nein. Die Analyse identifiziert potenzielle Such-Blindspots, keine erwiesenen Klassifikationsfehler.
Für einen belastbaren Fehlernachweis müsste jede der 70 Bekanntmachungen anhand ihrer Leistungsbeschreibung geprüft werden. Eine sinnvolle Entscheidungsregel wäre: Die zentrale Lieferleistung muss Softwareentwicklung, Anwendungsmodernisierung, IT-Beratung, Systemintegration oder Cloud-Migration sein. Reine Hardware- oder Lizenzbeschaffung, Telekommunikation, allgemeine Beratung und nur beiläufige IT-Anteile wären auszuschließen.
Bis diese Vollprüfung erfolgt ist, verwenden wir bewusst nicht die Begriffe „Fehlerquote“, „Recall“ oder „70 verpasste Ausschreibungen“.
Entsprechen die 70 Kandidaten einer Suchlücke von 4,2 Prozent?
Nein, nicht im statistischen Sinn. 70 entsprechen zwar rechnerisch 4,2 % der Größe der 1.673 Bekanntmachungen umfassenden CPV-Kohorte. Der Quotient ist aber keine belastbare Verlustquote:
- Der Nenner enthält alle Bekanntmachungen mit mindestens einem 48er- oder 72er-Code, unabhängig von ihrer konkreten Relevanz für einen Anbieter.
- Der Zähler enthält Keyword-Kandidaten, deren fachliche Relevanz noch nicht manuell bestätigt wurde.
- Die sechs Begriffe decken nicht das vollständige Vokabular des IT-Marktes ab.
- Es wurde nicht die Grundgesamtheit aller tatsächlich relevanten IT-Ausschreibungen bestimmt.
Die 4,2 % taugen deshalb nur als Größenvergleich zweier unterschiedlich definierter Mengen. Eine echte Suchverlustquote erfordert einen manuell gelabelten Goldstandard: relevante und irrelevante Bekanntmachungen, gegen den verschiedene Suchprofile getestet werden.
Warum reicht eine reine CPV-Suche trotzdem nicht aus?
Die zweite Abfrage zeigt, dass relevante Suchsprache auch außerhalb der erwarteten CPV-Divisionen vorkommt. Dafür gibt es mehrere mögliche Ursachen:
- Die IT-Leistung ist Teil eines größeren Auftrags. Der Haupt-CPV kann die übergeordnete Leistung beschreiben.
- Auftraggeber verwenden einen anderen fachlich vertretbaren Code. Klassifikation ist nicht immer eindeutig.
- Die Freitextsuche erzeugt Nebenfunde. Ein IT-Begriff kann in einer Anforderung stehen, ohne den Kern des Auftrags zu bilden.
- Begriff und CPV bilden unterschiedliche Ebenen ab. „Fachverfahren“ beschreibt beispielsweise einen Anwendungsfall, nicht zwingend die Beschaffungsart.
Die praktische Konsequenz bleibt dieselbe: Ein belastbares Suchprofil sollte mehrere CPV-Codes mit Synonymen, Produktbegriffen und Leistungsbezeichnungen kombinieren. Wie sich breite und enge Filter unterscheiden, erklären wir in unserer Analyse zur CPV-Filterpräzision.
Wie sollte ein robustes Suchprofil aufgebaut sein?
Ein gutes Suchprofil ist kein einzelner Filter, sondern ein System aus Discovery und Qualifizierung:
| Ebene | Zweck | Typische Signale | Häufiger Fehler |
|---|---|---|---|
| 1. CPV-Basis | Kernmarkt mit hoher struktureller Abdeckung erfassen | 48er- und 72er-Haupt- und Untercodes | Nur einen Obercode beobachten |
| 2. Leistungsbegriffe | Aufträge außerhalb erwarteter Codes entdecken | Softwareentwicklung, IT-Beratung, Betrieb, Migration, Integration | Nur die eigene Marketingsprache verwenden |
| 3. Fach- und Produktbegriffe | Vertikale Anwendungsfälle finden | Fachverfahren, Krankenhausinformationssystem, Portallösung, Dokumentenmanagement | Branchenvokabular der Auftraggeber ignorieren |
| 4. Ausschlusslogik | Offensichtliche Nebenfunde reduzieren | reine Schulung, reine Hardwarelieferung, Personalüberlassung | Breite Keywords ungefiltert als „passend“ melden |
| 5. Inhaltsprüfung | Echte Bid-Relevanz bewerten | Leistungsumfang, Laufzeit, Eignung, Frist, Losstruktur | Titel oder CPV mit einer Go-Entscheidung verwechseln |
Die Ebenen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. CPV sorgt für eine stabile Basis. Freitext erhöht die potenzielle Abdeckung. Ausschlüsse und Inhaltsprüfung halten den zusätzlichen Prüfaufwand beherrschbar.
Für die operative Umsetzung empfiehlt sich ein einfacher Lernkreislauf:
- Treffergrund speichern: Welcher CPV-Code oder Begriff hat die Bekanntmachung gefunden?
- Relevanzentscheidung dokumentieren: passend, möglicherweise passend oder unpassend.
- Fehlende Begriffe ergänzen: Welche Formulierung stand in relevanten, bisher nicht erfassten Bekanntmachungen?
- Störbegriffe identifizieren: Welche Formulierungen erzeugen wiederholt irrelevante Treffer?
- Monatlich nachschärfen: Suchprofil anhand der Entscheidungen aktualisieren, statt es einmalig festzulegen.
So wird aus einer statischen Stichwortliste ein kontrollierbares Suchsystem. Besonders wichtig ist die Trennung zwischen gefunden und qualifiziert: Ein breiter Begriff darf viele Kandidaten erzeugen, solange die anschließende Bewertung transparent und effizient ist.
Welche Grenzen hat die Datenanalyse?
Damit die Zahlen richtig eingeordnet werden, sind sieben Einschränkungen entscheidend:
- Nur TED: Untersucht wurden EU-weit veröffentlichte TED-Bekanntmachungen, nicht alle deutschen Unter- und Oberschwellenvergaben.
- Nur sechs Suchbegriffe: Synonyme wie „Digitalisierung“, „IT-Architektur“, „Applikationsentwicklung“ oder produktspezifische Begriffe fehlen bewusst. Die 70 sind daher keine vollständige Obergrenze.
- Keine Relevanzbewertung: Die Kandidaten wurden noch nicht manuell als zentrale IT-Leistung bestätigt.
- Sitzland statt Leistungsort: Der Filter bezieht sich auf das Land des Auftraggebers. Einzelne Leistungen können außerhalb Deutschlands erbracht werden.
- Momentaufnahme: TED-Daten können nachträglich berichtigt oder ergänzt werden. Eine Wiederholung zu einem späteren Zeitpunkt kann deshalb leicht abweichende Werte liefern.
- Suchfeld
FT: Die TED-Volltextsuche kann einen Begriff in verschiedenen Textfeldern finden. Ein Treffer bedeutet nicht, dass der Begriff bereits im Titel oder in der Kurzbeschreibung steht. - Mehrfachnennungen: Sowohl CPV-Codes als auch Keywords können sich innerhalb einer Bekanntmachung überschneiden. Alle Gesamtzahlen wurden deshalb über die Veröffentlichungsnummer dedupliziert.
Wie kann die Analyse reproduziert werden?
Die folgende Expert Query lieferte 1.673 Treffer:
buyer-country = DEU
AND publication-date = (20260428 <> 20260727)
AND notice-type IN (cn-standard cn-social)
AND (classification-cpv = 48* OR classification-cpv = 72*)
Die folgende Expert Query lieferte 70 Treffer:
buyer-country = DEU
AND publication-date = (20260428 <> 20260727)
AND notice-type IN (cn-standard cn-social)
AND (
FT ~ Softwareentwicklung
OR FT ~ Anwendungsentwicklung
OR FT ~ Fachverfahren
OR FT ~ IT-Beratung
OR FT ~ Systemintegration
OR FT ~ Cloud-Migration
)
AND NOT (classification-cpv = 48* OR classification-cpv = 72*)
Beide Abfragen liefen per POST /v3/notices/search mit scope: ALL. Die offizielle TED-Dokumentation beschreibt Request-Felder, Pagination und Rückgabeformat. Der Response-Wert totalNoticeCount wurde für beide Kohorten unabhängig erneut geprüft.
Für die vertiefte Auswertung wurden die 70 Kandidaten mit Veröffentlichungsnummer, Veröffentlichungsdatum, CPV-Codes, Verfahrensart und – soweit vorhanden – Auftrags- beziehungsweise Loswert abgerufen. Die Divisionstabellen zählen jede Bekanntmachung pro Division höchstens einmal. Die Keyword-Tabelle basiert auf sechs separaten Abfragen; die Gesamtmenge wurde anschließend über die Veröffentlichungsnummer dedupliziert.
Was wäre der nächste belastbare Forschungsschritt?
Die nächste Stufe ist keine größere Keyword-Liste, sondern die manuelle Vollprüfung der 70 Kandidaten. Dafür sollte vor der Sichtung ein eindeutiges Label-Schema feststehen:
- Relevant: Die zentrale ausgeschriebene Leistung ist für einen IT-Dienstleister grundsätzlich anbietbar.
- Teilweise relevant: IT ist ein substanzielles Los oder Arbeitspaket, aber nicht der Gesamtgegenstand.
- Nicht relevant: Der IT-Begriff beschreibt nur eine Nebenanforderung, Schulung, allgemeine Beratung oder technische Randkomponente.
- Unklar: Die veröffentlichten Angaben reichen ohne Vergabeunterlagen nicht für eine Entscheidung.
Erst danach lassen sich Präzision und Zusatznutzen einzelner Begriffe berechnen. Mit einer zweiten, unabhängig prüfenden Person könnte zusätzlich die Übereinstimmung der Bewertungen gemessen werden. Das würde aus der aktuellen Kandidatenanalyse eine belastbare Relevanzstudie machen.
Was sollten IT-Dienstleister daraus ableiten?
Für die praktische Ausschreibungssuche empfehlen sich drei Ebenen:
- CPV-Grundgerüst: Nutzen Sie nicht nur einen Obercode, sondern alle fachlich passenden Haupt- und Untercodes.
- Freitext-Erweiterung: Ergänzen Sie Synonyme, Technologien, Produkte und die Sprache Ihrer Kunden.
- Inhaltliche Qualifizierung: Prüfen Sie Treffer anhand von Leistungsbeschreibung, Eignungskriterien und Ausschlussgründen, statt nur auf Titel und Code zu vertrauen.
Unser ausführlicher Guide zeigt, wie Sie öffentliche IT-Ausschreibungen systematisch finden. Für laufendes Monitoring ist entscheidend, Suchlücken nicht durch immer mehr manuelle Portale, sondern durch kombinierte Filter und eine nachvollziehbare Qualifizierung zu reduzieren.
Fazit: Die Analyse belegt keine pauschale CPV-Fehlerquote. Sie belegt aber eine konkrete zusätzliche Prüfmenge: 70 deutsche TED-Bekanntmachungen in 90 Tagen enthielten definierte IT-Leistungsbegriffe außerhalb der CPV-Divisionen 48 und 72. Die Kandidaten verteilen sich auf 19 andere CPV-Divisionen und liegen überwiegend in offenen Verfahren. Wer nur CPV 48 und 72 überwacht, sieht diese Prüfmenge nicht.
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